Katastralvermessung

Die Wurzeln der österreichischen Katastralvermessung reichen bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts zurück. 1720 wurde im Herzogtum Mailand - das nach Beendigung des Spanischen Erbfolgekrieges Österreich zugesprochen worden war - der erste auf wissenschaftlicher Grundlage be- ruhende Kataster aufgebaut.

Das Wort "Kataster" wird vom lateinischen Wort "catastrum" bzw. "capitastrum" hergeleitet, was soviel wie "Kopfliste" bzw. "Liste über Steueraufzeichnungen” bedeutet. Demnach verdankt der österreichische Grundkataster sein Entstehen der Besteuerung von Grund und Boden.

Am 23. Dezember 1817 ordnete Kaiser Franz II. mit seinem Allerhöchsten Patent - dem Grundsteuerpatent - eine allgemeine, ökonomische Vermessung aller Grundstücke der deutsch- und italienisch- sprachigen Provinzen an. An der Einbeziehung aller Grundstücke in die Vermessung, also auch der unproduktiven Flächen, und ihrer Darstellung in einem Mappenwerk, ist zu erkennen, daß der Grundkataster nicht nur zur Grundsteuerbemessung, sondern allen Zweigen der Verwaltung dienen sollte.

Die notwendige Katastertriangulierung sollte an die bereits in den meisten Provinzen bestehende Militärtriangulierung anschließen. Da diese, für die topographische Landesaufnahme vorgenommene Triangulierung, noch nicht abgeschlossen war oder die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllte, mußte man von vorhandenen bzw. neuen Grundlinien oder direkt abgeleiteten Dreiecksseiten der Militärtriangulierung ausgehen.

Von den vier Grundlinien - Wiener Neustadt, Wels, Radautz und Hall - ausgehend wurde eine Netzverdichtung vorgenommen. Ihre Aufgabe war für jede Quadratmeile (ca. 58 km²) drei trigonometrische Punkte zu bestimmen. Weitere 57 Punkte pro Quadratmeile wurden mittels Meßtisch, also graphisch, bestimmt. Die Koordinaten der trigonometrisch bestimmten Punkte wurden in einem rechtwinkelig ebenen Koordinatensystem berechnet. Die Erdkrümmung blieb unberücksichtigt. Um die dadurch entstehenden Verzerrungen gering zu halten, mußten insgesamt sieben Koordinatensysteme festgelegt werden, in denen jeweils ein oder mehrere Kronländer dargestellt wurden. Die Abszissenachse jedes Systems lag im Meridian des Koordinatenursprungs. Die auf diesen Meridian senkrecht stehende Schnittellipse des Erdsphäroids - Perpendikel genannt - bildete die Ordinatenachse des Koordinatensystems. Die positive Abszissenachse zeigte nach Süden.

Die Ausgangsbasis für den Maßstab dieser Katastralvermessung bildete das "einfache Militärmaß" (1 : 28.800) der Landesaufnahme, da die Katastralmappen im zehnfachen Militärmaß angelegt werden sollten. Damit entsprach 1 Zoll in der Mappe 40 Klaftern in der Natur, bzw. 1 Quadratzoll auf der Mappe 1600 (Quadratklafter oder 1 n.ö. Joch in der Natur. Der Grundmaßstab der Katastralvermessung ergibt sich somit als 1 : 2880.

Die Detailvermessung erfolgte katastralgemeindeweise mittels Meßtisch. Pro Katastralgemeinde wurde eine Inselmappe angelegt. Außer dem Meßtisch fanden das Diopterlineal (später Perspektivlineal), Wasserwaage, Lotgabel mit Senkblei und 10 Klafter lange dezimal unterteilte Meßketten Verwendung. Die Grundbesitzer wurden angewiesen, ihre Grundstücke einvernehmlich in ortsüblicher Weise zu kennzeichnen. Das Ergebnis wurde in Feldskizzen dargestellt, in denen auch die Namen der Eigentümer, die Hausnummer, die Nummer der Grenzzeichen und eventuell Maßzahlen eingetragen wurden. Die Vermessung der Grundstücke erfolgte in der Regel mittels Schnittmethode und ausnahmsweise mittels der Polarmethode. In den Waldgebieten wurde die Umfangsmethode unter Benutzung der Bussole angewendet. Die Meßtischaufnahme wurde anschließend in Tusche ausgefertigt und eine Kopie, die Indikationsskizze, hergestellt, in der auch die Daten der Feldskizzen aufgenommen wurden. Kulturen wurden durch Farbe hervorgehoben. Die Indikationsskizzen wurden für Reambulierungszwecke und später als Hilfsmappe zur Anfertigung des Parzellenprotokolles und zur Schätzung benutzt.

Die Herstellung der Katastralmappen erfolgte bis zum Jahre 1910 durch Steingravur auf Kalkschieferplatten und Tiefdruck auf Papier. Ab 1911 wurde die Mappenreproduktion mittels eines photomechanischen Verfahrens, in Verbindung mit Gravur auf Zink- (später Aluminium-) Platten und Flachdruck vorgenommen.

Die Katastralvermessung begann im Jahr 1817 in Niederösterreich und endete in Tirol im Jahr 1861. In den effektiven 43 Jahren der Vermessung wurde ein Gebiet von ungefähr 300.000 km², erfaßt und in rund 164.000 Katastralmappen zur Darstellung gebrachte.

Das Grundsteuerpatent von 1817 sah auch eine Evidenzhaltung des Grundkatasters vor, die sich jedoch nur auf Veränderungen in der Person des Besitzers, im Umfang des Steuerobjektes und auf die Berichtigung von Vermessungs- und Flächenfehlern bezog. Kulturänderungen wurden nicht berücksichtigt.

Als im Jahr 1861 die Vermessungsarbeiten für die Aufstellung des Grundkatasters zum Abschluß kamen, wurde in vier Kronländern die Grundbesteuerung nicht nach diesem Kataster ausgeführt. Darüberhinaus erfolgte die Ertragsermittlung unter Zugrundelegung der Preise des Normaljahres 1824, obwohl der Kataster in den einzelnen Ländern zu verschiedenen Zeiten in Kraft trat. Die Folge waren erhebliche Differenzen zwischen diesen Ertragsermittlungen und den tatsächlichen Reinerträgen. Es ergab sich daher die Notwendigkeit, in allen Ländern gleichzeitig eine neue Erhebung der Besteuerungsgrundlagen an Hand der Operate des Katasters auszuführen.

Bereits während diesem als "Grundsteuerregulierung" dekorierten Verfahren war klar geworden, daß eine ständige Evidenzhaltung des Katasters unbedingt erforderlich ist. Eine weitere zwingende Notwendigkeit zur Evidenzhaltung brachte das Allgemeine Grundbuchgesetz des Jahres 1871. Die Grundbücher wurden auf dem bestehenden Grundkataster aufgebaut. Der Kataster diente nun nicht nur steuerlichen Zwecken und der Verwaltung, er war auch in den Dienst der Rechtspflege getreten. Eine stete Übereinstimmung zwischen Grundbuch und Kataster mußte daher auch gesetzlich festgelegt werden. Das Evidenzhaltungsgesetz des Grundkatasters trat am 23. Mai 1883 in Kraft und bildete über 85 Jahre lang die Grundlage für die Fortführung des Grundkatasters. Die Katastralmappe wird zur Fortführungsmappe.

Zur Durchführung der Vermessungen, durch die eine Evidenzhaltung bzw. Erneuerung der Katastralmappe besonders in Gebieten mit regem Grundverkehr erreicht werden sollte, wurden Instruktionen erlassen. Nach diesen Weisungen wurde die neue Katastralmappe zwar bereits ab 1873 im metrischen Maßsystem, jedoch immer noch in den sieben Koordinatensystemen angelegt. Für Neuvermessungen ganzer Gemeinden wurde der Grundmaßstab 1 : 2.500 und die Folgemaßstäbe 1 : 1.250 bzw. 1 : 625 festgelegt. Obwohl die Koordinatensysteme keine Änderung erfuhren, wurden die Aufnahmesektionen geändert. An Stelle der Quadratmeilen (4.000 x 4.000 Klafter) traten die Triangulierungsblätter (10.000 x 8.000 m).

Bis zum Jahr 1918 wurden die Ergebnisse der Katastralvermessungen ohne Rücksicht auf die Erdfigur in den sieben ebenen Koordinatensystemen - was keiner mathematischen Projektion entspricht - dargestellt. Die Militärtriangulierung verwendete zu dieser Zeit die Polyederprojektion als Grundlage für die Darstellung in den Kartenwerken.

Im Jahre 1921 wurde in Österreich für die Katastralvermessung und für die neue topographische Landesaufnahme die "Gauß-Krüger, - Projektion" eingeführt. Das ist eine konforme oder winkeltreue Abbildung des Erdellipsoides von Bessel, wobei ein Meridian desselben längentreu in die x-Achse eines ebenen kartesischen Koordinatensystems abgebildet wird.

Die ebenen geradlinigen Abbildungen der Meridiane 28°, 31° und 34° östlich von Ferro bilden die Abszissenachsen, die ebenen geradlinigen Abbildungen des Äquators die Ordinatenachsen. Durch die Projektion entstehen also ebene rechtwinkelige Koordinaten. Die Meridianstreifen sind jeweils östlich und westlich des Bezugsmeridians ungefähr 1,5° breit.Mit der Einführung der Gauß-Krüger - Projektion bzw. des Systems der Landesvermessung wurde in der Katastralvermessung für die Herstellung der Katastralmappe eine neue Blatteinteilung erforderlich. Ein Triangulierungsblatt (10.000 x 10.000 m) wird durch parallele Linie in acht Längs- und zehn Querstreifen unterteilt, wodurch 80 Rechtecke entstehen. Ein solches Rechteck bildet dann den Rahmen eines Mappenblattes 1 : 2.000. Die Einführung der Gauß-Krüger - Projektion fand aber auch ihren Niederschlag in der Landesaufnahme. So wurde der Blattschnitt des Grundkartenwerkes 1 : 50.000 nach Netzlinien von 15 ' geographischer Breite und 15 ' geographischer Länge vorgenommen. Die ursprünglichen Randleisten in Ferro-Zählung wurden erst zu einem späteren Zeitpunkt auf Greenwich-Zählung übergeführt.